Auf der Bayrischen Schanz - Wirtshaus an der Birkenhainer Straße

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Zur Geschichte des Wirtshauses, heutige Waldschänke Bayrischen Schanz:

Jacob Wentzel eröffnete 1713 sein Wirtshaus an der hohen Straße beim Einsiedel

In der „Lohrer Kellerey Rechnung pro Anno 1713“ wurde vermerkt, dass Jocob Wentzel auf dem Wirtshaus auf der hohen Straße beim Einsiedel noch kein Ohmgeld und keine „Aich“ entrichtete. Da er in diesem Jahr seine Wirtschaft auf der Schanz eröffnete, wurde er nicht zu Abgaben verpflichtet. Erst ein Jahr später zahlte er 7 Gulden 30 Kreuzer Ohmgeld. In den vorhergehenden Rechnungen wurde ein Wirtshaus auf der Schanz nicht erwähnt. Auch in den Baukostenrechnungen ist eine Erbauung nicht verzeichnet. Deshalb dürfte Jacob Wentzel auch der Bauherr des Gasthauses gewesen sein und nicht die Mainzer Landesherren.

 
Erstes Wirtshaus 1713 001, 1818 KB

Auszug aus der Geschichte 300 Jahre Bayrische Schanz von Bruno Schneider 

Das Wirtshaus „Bayrische Schanz“ ist heute ein beliebtes Ausflugslokal und Wandertreff im nördlichen Spessart an der hessischen Grenze. Die Existenz des Anwesens geht zurück bis in das 17. Jahrhundert. Doch führt uns die Geschichte dieses Ortes noch viel weiter in die Vergangenheit. Grund dafür ist die Birkenhainer Straße, heute ein Wanderweg, im Mittelalter eine Geleitsstraße der Grafen von Rieneck und darüber hinaus eine vorgeschichtliche Route.
Bild (4).jpgAuf der Spessartkarte des Frankfurters Elias Hofmann von 1584 gibt es noch keine Gebäude an der Stelle der „Schanz“. Links davon ist aber der „Hermannsborn“ eingezeichnet. Deutlich wird hier die Grenzsituation: Die Wälder von Mainz, Hanau, der Herren von Grumbach und der „Haurain (ein Allmendewald der umliegenden
Gemeinden) treffen hier aufeinander.
Die Birkenhainer Straße ist Teil einer historischen europäischen Verkehrsverbindung von Nordwesten nach Südosten. Grabhügel an ihrem Verlauf sowie der Fund z. B. eines Beils aus der Bronzezeit zeigen ihre vorgeschichtliche Bedeutung. Im Spessart verläuft die Birkenhainer Straße als Höhenweg in Kammlage zwischen dem Aufstieg bei Freigericht und dem Abstieg beim Zollhaus nahe Gemünden. Damals und auch im Mittelalter standen entlang der Route Brunnen (z. B. auch an der Wiesbütt) für die Versorgung der Zugtiere zur Verfügung, aber auch für Viehherden, die hier vorüber zogen. Nahe der heutigen Schanz liegt auf hessischer Seite der Hermannsbrunnen – der Ort, an dem hier Rast eingelegt wurde.
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1777 erscheint die spätere „Bayrische Schanz“ erstmals auf einer Karte unter dem Namen „Geiss Wirthshauss“.
Zwischen Hermannsbrunnen und späterer Schanz verlief auch die Landesgrenze zwischen dem Kurfürstentum Mainz, der Grafschaft Rieneck (bis zu deren Aussterben 1559) und der Grafschaft Hanau. Nach 1814 ging das Mainzer Territorium an Bayern, das Hanauer Land gehörte seit 1736 zur Landgrafschaft Hessen-Kassel, seit 1867 zu Preußen.
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Bei der ersten geografischen Aufnahme des Landes Bayern erscheint die „Bayrische Schanz“ 1846 unter ihrem heutigen Namen.
Von einer Ansiedlung in der Nähe der Hermannsbrunnens hören wir erstmals Ende des 17. Jahrhunderts. Nach der Übernahme der Grafschaft Rieneck durch die Grafen von Nostiz (die aus Böhmen stammten) im Jahr 1673 wurden auf dem Gelände, wo sich heute die „Schanz“ befindet, Gebäude errichtet. Der Zweck war wohl die Einrichtung einer Zollstation mit dauernder Besetzung, zu der Rodungsflächen und eine Schankstatt gehörte.
Bild (2).jpgUm 1900 entstand die nebenstehende Aufnahme. Damals wurde der Schankbetrieb
unregelmäßig aufrecht erhalten - insbesondere bei Festveranstaltungen. Bei einer solchem dürfte auch das Foto geschossen worden sein.
Bislang wissen wir noch wenig über diese Einrichtung. Es ist geplant, im Rahmen der Arbeit des ASP (Archäologisches Spessart-Projekt) im Spessartbund in den nächsten Jahren Archivalien zu erforschen. Auf einer Karte erscheinen die Gebäude erstmals 1777 als „Geis-Wirtshaus“. Durch den Übergang an Bayern 1814 sowie durch den damit verbundenen Bau der Eisenbahnlinie von Würzburg nach Aschaffenburg geriet der Spessart in eine verkehrspolitische Randlage. Dies bekam auch das hiesige Wirtshaus zu spüren, das mangels Rentabilität 1854 an den Staatsforst verkauft wurde. Hier bestand nun noch gelegentlich ein Schankbetrieb, dem wir auch die erste bekannte Fotografie zu verdanken haben. Nach dem Wechsel der benachbarten Landesherrschaft von Hessen-Kassel zu Preußen erhielt das (halboffizielle) Wirtshaus den Namen „Zur Preus. Grenze“.
Bild (13).jpgZwei Entwicklungsstadien der „Bayrischen Schanz“ nach dem 2. Weltkrieg: Der einfache Bau (links) wurde um 1952 aufgestockt (rechts). Die späteren Erweiterungen erfolgten ab 1972.
Ab 1948 betrieben mehrere Pächter ein Ausflugslokal auf der nun so benannten „Bayerischen Schanz“, doch war ein professioneller Betrieb aufgrund der schwierigen Wasser- und Stromversorgung nicht möglich. Erst mit Verkauf an das Ehepaar Lothar und Christl Münch vom Hotel Dürnhof bei Rieneck trat ein entscheidender Wandel ein. Sie sorgten für die Einrichtung einer funktionierenden Logistik und bauten die Räumlichkeiten aus. Nun war ein Biergartenbetrieb ebenso möglich, wie Gastronomie im Innenbereich für über 70 Personen. Seit 2005 ist Michaela Münch Wirtin auf der nun „Bayrischen Schanz“.
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Christl und Lothar Münch ist es zu verdanken, dass die „Bayrische Schanz“ wieder zu einem beliebten Ausflugslokal geworden ist.
 
Bild (15).jpgRamblers like to refresh themselfes at the inn «Bayrische Schanz» (Bavarian Defence), situated at the border to Hessia and close to the «Birkenhainer Straße», which was part of an important European highway from Hungaria to the Netherlands. Today it is a well thought rambling path. 1673 the first buildings were erected here, serving as a toll station. There was a permanent garrison and a pub. The surrounding forest was transformed into pasture. A hundred years later, at 1777, the inn is shown on a map for the first time. 1814 the area, once part of the archbishopry of Mayence, became part of the Kingdom of Bavaria, forming its most northern frontier. Some years later the railway was built from Würzburg to Aschaffenburg. It bypassed the Northern Spessart and so the area became isolated. The old highway lost its importance. So there were not enough customers any more to sustain the inn, which was sold in 1854 to the royal forest adminstration. In 1948, only 3 years after World War II, the inn was reestablished. But only when the Münch family rented the inn in 1972 it became a popular goal for ramblers.
 
Bild (16).jpgLa «Bayrische Schanz», auberge dans le Spessart, est aujourd’hui un but d’excursions et de randonnées bien populaire. («Schanz», cela veut dire «ouvrage de campagne, retranchement»). Une première construction date du 17e siècle, et elle a été placée à côté de la «Birkenhainer Strasse», autrefois, grande route marchande européenne; aujourd’hui, chemin de randonnée. C’est vers 1673 qu’on a construit des bâtiments à l’emplacement de la «Schanz». Probablement, il s’agissait d’une station de douane. Dans une carte datant de 1777, la station apparaît sous le nom de «Geis-Wirtshaus» (l’auberge des Chèvres). En 1814, le royaume de la Bavière s’empare du Spessart du Nord. Cette démarche et une deuxième, la construction de la ligne de chemin de fer entre Würzburg et Aschaffenburg (dans les années 1850), avaient pour conséquence que le Spessart du Nord devenait une région limitrophe, avec des dégradations dans le secteur de la communication et du trafic commercial. L’auberge n’était plus de bon rapport, et c’est pourquoi l’administration des Eaux et Forêts bavaroise l’a achetée en 1854. On se rappelle qu’à partir de 1948 plusieurs gérants ont successivement exploité l’auberge, maintenant connue sous le nom de «Bayrische Schanz». Mais c’est seulement à partir de 1972 qu’elle s’est transformée en but d’excursions et de randonnées bien rentable - ce développementci dû au fait que la famille Münch s’est distiguée par son habileté.
Verfasst: Archäologisches Spessart-Projekt e.V.
Die Tafel auf der Bayrischen Schanz wurde realisiert im Rahmen des Projektes „Pathways to Cultural Landscapes“ mit Förderung des Wirtshauses der Bayrischen Schanz und mit Unterstützung des Bezirks Unterfranken.

Weitere Informationen:
Archäologisches Spessart-Projekt e.V.
Treibgasse 3
63739 Aschaffenburg
www.spessartprojekt.de  / info@spessartprojekt.de